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| Schlüsselerlebnis |
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| Sonntag, den 16. Oktober 2011 um 14:25 Uhr |
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Heute beim Gassigehen hatte ich ein ungewöhnliches Schlüsselerlebnis. Bei dem tollen Wetter war ich mit meinem Hund Robbie in den Weinbergen um den Melibokus spazieren. Da begegnet uns eine junge Frau mit einem jungen Hund an einer Schleppleine. Der schwarzbraun gestromte Kerl war offensichtlich noch in Ausbildung. Der Hund wirkte aufgeweckt und jugendhaft verspielt. Als wir uns dem Hund auf wenige Schritte näherten, sprang der kleine Kerl Richtung Robbie los, was mir nicht ungewöhnlich vorkam. Verwirrt hat mich aber der Umstand, dass sofort ein Schlüsselbund geflogen kam und den Hund auf den Rücken traf. Ich war so perplex, dass mir zunächst die Worte fehlten.
Die Besitzerin wirkte freundlich und nicht aggressiv und ihr war offensichtlich nicht klar, was sie da mit Ihrem Hund treibt. Sicher hat sie das in irgendeiner "Hundeschule" gelernt. Es gibt noch viel zu viele "Hundetrainer" die mit solchen Mitteln arbeiten und unbedarfte Leute vertrauen solchen "Experten". Mir ging es auch nicht anders. Die erste Hundeschule die ich besuchte arbeitete auch mit solchen Mitteln. Mein Hund sollte das Leinezerren mit dem zweifelhaften Mittel des Leinenrucks abgewöhnt werden. Meine Intuition sagte mir, dass dies der falsche Weg sei, aber ich vertraute dem Fachmann. Schön blöd. Heute weiß ich es besser und der Hund läuft ganz leicht an der Leine. Er macht das freiwillig und ohne Druck. Die Weg dahin war ganz einfach und artgerecht. Schlüsselwerfen ist das nicht! Natürlich bin ich kein Trainer, aber ich habe Bücher über moderne Hundeerziehung gelesen und mittlerweile Hundetrainer kennengelernt, die sehr erfolgreich andere, modernere Wege gehen. In solchen normalen und aggressionsfreien Situation ist sicher jede Form von Gewalt gegen den Hund nicht angemessen. Ich hätte gerne mal gesehen wie Frauchen reagiert, wenn andere sie mit dem Schlüsselbund bewerfen, nur weil sie jemanden freundlich begrüßt. Mein Rat für alle Leute in den Hundeschulen. Vertrauen Sie Ihrer Intuition. Wenn Sie ein blödes Gefühl bei Anwendung von aversiven Mitteln haben, fragen Sie kritisch nach, oder informieren Sie sich bei Dritten.Oder fragen Sie im Tierheim nach. Der Einsatz von aversiven Mitteln hat viele Nachteile: 1. Er ist für Mensch und Hund unangenehm 2. Der Hund "weiss" nicht wofür er bestraft wird. Man kann ihm ja nicht die Alternative erklären. Positive Mittel belohnen das gewünschte Verhalten, dass dann in der Folge häufiger gezeigt wird. Dann und nur dann "weiss" er was er zu tun hat. 3. Der Zeitpunkt für die Massnahme muss exakt getimt sein. man hat nur ca, 0,6 Sekunden. danach kann der Hund die Strafe nicht mehr mit dem Ereignis verknüpfen. Es ist dann nur noch Quälerei. 4. Das Mittel nutzt sich schnell ab. Der Hund gewöhnt sich und die Strafe muss immer drastischer werden. Sicher gibt es auch Situationen in denen ein Hund gemaßregelt werden muss. Das sollte aber nicht das normale Erziehungsschema sein. Ich jedenfalls fühle mich prima damit, meinen Hund aggresionsfrei zu erziehen. Er hört sehr gut und selbst seinen extremen Jagdtrieb bekommen wir mit sanften Mitteln langsam in den Griff.
Ergänzung: Folgenden guten Artikel habe ich im Web unter http://www.hundehobby.com/strafe/strafet.html gefunden. "Trotz allem, was ich jahrelang darüber gesagt und geschrieben habe, zweifle ich daran, dass ich irgend jemanden davon überzeugen kann, dass Strafe nie etwas Positives mit sich bringt. Hier erzähle ich Dir, dass Du ganz einfach nicht tüchtig genug bist, um Strafe sinnvoll anzuwenden. Deshalb darfst Du NIEMALS eine Bestrafung ausführen." Wichtige Definition: "Positive Bestrafung" ist das aktive Ausführen von Handlungen, die dem Hund Unbehagen bereiten. Anwendung von Strafe beim Hunde-Training Wirksam, aber kompliziert Aversiver Stimulus Er würde deshalb die Anwesenheit seines Führers schnell als äusserst unangenehm empfinden, und es besteht die Gefahr, dass der Hund die Bestrafung mehr mit der Nähe eines bestimmten Menschen als mit seinem eigenen Verhalten verknüpft. Im besten Falle würde ein eventueller "Lerneffekt" darauf hinausgehen, dass der Hund ein bestimmtes Verhalten nur dann nicht mehr ausführt, wenn sein Führer in der Nähe ist. Agressivität Sehr harte Strafen Mit schwacher Bestrafung zu beginnen, und die Härte schrittweise zu steigern, hält Fulkerson für wirkungslos. Tierversuche haben gezeigt, dass das Objekt bei einem solchen Vorgehen eher lernt, Schmerzen zu ertragen, anstatt das unerwünschte Verhalten abzulegen. Strafe wird dann zu einem natürlichen Teil des Lebens unseres Hundes. Wir sollten uns wirklich fragen, ob man unter solchen Bedingungen noch Lebensfreude erwarten kann. Sofort und immer wieder Fulkerson beschreibt dazu folgendes Experiment, das zeigt, wie schnell man sein muss: Unvorhersehbar Mit positiver Verstärkung kennen wir das Resultat im voraus. Bei positiver Bestrafung können wir dagegen nicht voraussehen, welche Verhaltensweisen der Hund stattdessen annehmen wir. Dass harte Bestrafung nicht nur unerwünschtes Verhalten auslöscht, sondern auch neue Verhaltensformen entstehen lässt, liegt auf der Hand. Das neue Verhalten kann schlimmer sein als das ursprüngliche. Wer Strafe benutzen will, muss zunächst einmal prüfen, ob er dazu willig und in der Lage ist, Bestrafungen strategisch richtig zu planen und bei der Ausführung einen klaren Kopf zu behalten. Zum zweiten müssen die Bestrafungen von anfang an sehr kräftig sein - an der Grenze von dem, was beim Bestraften körperliche Schäden hervorrufen würde. Weniger harte Bestrafungen bewirken nur eine geringfügige und kurzzeitige Unterdrückung eines Verhaltens, und das gleiche Verhalten tritt selbst bei fortsetzender Bestrafung oft wieder auf. Tiere passen sich Bestrafungen an. Ratten zum Beispiel, die vorher schrittweise stärker werdende elektrische Schläge bekommen haben, und es danach gelernt haben, in einem Versuchsgerät laufen zu müssen, um Fressen zu bekommen, werden mit dem Laufen auch dann fortsetzen, wenn sie dabei kräftige elektrische Stösse erhalten. Das bedeutet mit anderen Worten: Wenn man mit milden Strafen anfängt und diese langsam härter macht, kann man kaum eine Unterdrückung eines Verhaltens erreichen - oder die Unterdrückung wird nur von kurzer Dauer sein. Dabei läuft man Gefahr, dass das Tier sich an Bestrafungen gewöhnt und es lernt, sie zu ertragen. Wer mit Strafe arbeiten will, muss sich also auch fragen, ob er dazu willig und in der Lage ist, von Anfang an ein unerwünschtes Verhalten mit sehr harten Mitteln zu bestrafen. Zum dritten muss die Bestrafung augenblicklich erfolgen. JEDE zeitliche Verspätung zwischen dem unerwünschten Verhalten und der Strafe macht unsere Strategie zunichte. Wer mit Strafe arbeiten will, muss sich also auch fragen, ob er dazu willig und in der Lage ist, immer augenblicklich zu bestrafen, aber keinerlei Reaktion zu zeigen, wenn er den richtigen Zeitpunkt verpasst hat. Zum vierten muss Strafe fortlaufend und regelmässig erfolgen, um wirksam zu sein. Das bedeutet, dass man gewillt und dazu in der Lage sein muss, wirklich jedes Vorkommen des unerwünschten Verhaltens zu bestrafen. Würde Dir das gelingen? Fünftens: Du musst unbedingt dafür sorgen, dass Den Hund nicht merkt, dass Du während der Bestrafung anwesend bist. Andernfalls wirst Du selbst für Deinen Hund zu einem konditionierten Signal für Strafe. Tiere lernen schnell, dass Strafe nur dann vorkommt, wenn der Besitzer in der Nähe ist. Bestenfalls lernt das Tier dabei, dass es sein Verhalten ungestraft ausführen kann, wenn er nicht dabei ist. Im schlimmsten Falle lernt das Tier seinen Besitzer zu fürchten, weil er ein aversiver Stimulus geworden ist. Die letzte Frage, die Du beantworten musst, ist also, ob Du einfallsreich genug sein kannst, die Situation so vorzubereiten, dass Du Strafe wirklich nutzbringend anwenden kannst. Angenommen dass Du alle obigen Anforderungen erfüllen kannst: Was wird eigentlich das Resultat all dieser Anstrengungen? Resultat von Bestrafung Strafe kann weiterhin dazu führen, besonders wenn positive Verstärkung selten angewendet wird, dass der Hund ein "sich selbst bestrafendes" Verhalten zeigt. Manche Hunde lernen nicht, dass sie ihr unerwünschtes Verhalten ablegen sollen. Das kann dazu führen, dass der Hund verzweifelt und hilflos wird. Unsicherheit und Nervösitet sind dann oft die Folge. In solchen Fällen kann es vorkommen, dass der Hund trotzt effektiver Bestrafung NICHT das unerwünschte Verhalten ablegt. Man hat dann überhaupt nichts Positives erreicht, sondern erntet nur schädliche Nebenwirkungen. Trotz allem, was ich nun geschrieben habe, zweifle ich daran, dass ich irgend jemanden davon überzeugen kann, dass Strafe nie etwas Positives mit sich bringt. Die meisten von Euch haben die Erfahrung gemacht, dass Strafe oft unmittelbar "etwas nützt", und deshalb verwendet Ihr Bestrafung auch weiterhin. Die Probleme, die durch Bestrafung entstehen, sieht man selten sofort. Die stellen sich aber garantiert im Laufe der Zeit ein, schleichend, zunächst kaum merklich, aber zum Schluss mit schwerwiegenden Folgen. |



