Geros - Gekommen um zu gehen... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kirsten Wagner   
Montag, den 20. Februar 2012 um 00:00 Uhr

Der alte Mann Geros wohnt ab sofort auf unserer Pflegestelle.
Er ist ein Deutsch Kurzhaar, mind. 14 Jahre alt und pumperlgesund...

Heute, 20.02.2012, ist Geros ganz leise gegangen, er wirkte zufrieden und losgelöst. Heute morgen ist der alte Herr noch in den Garten geschlurpst, hat den Rasen gewässert, alles abgeschnuffelt und nun ist er nicht mehr unter uns.
Ich habe oft über ihn schmunzeln müssen, wirkte er doch wie ein sehr alter Mann, dem die Hosen nur noch die Hosenträger am Körper hielten und das in alten ausgetretenen Hausschuhen, so schweeerrr, dass man über den Boden schlürfen mußte, irgendwie sehr menschlich. Geros war grandios, paßte sich sofort meinem Alltag an, war unauffällig, unaufdringlich aufdringlich, dockte einfach an um gestreichelt zu werden. Und nun ist es wieder ein Stück leerer im Haus, kein Geros vor dem Ofen, das war ausnahmslos sein Platz von Anfang an, die ganzen letzten 3 Wochen.

Seine und meine Freundin Karin war jeden Tag da, wir waren jeden Tag spazieren, er wurde sooft auf den Kopf geküsst, wie wahrscheinlich nie zuvor in seinem Leben und viel, viel geknuddelt. Vielleicht war er erfüllt und konnte nun gehen.

Alles Liebe für Dich von Deinen Freundinnen Karin und Kirsten    

 

 

Wenn Sie meinen Artikel "Mut zum Alter" (Rubrik Nettigkeiten) gelesen haben, dann werden Sie mich verstehen, warum ich seine Zukunft in die Hand genommen und ihn nicht seinem sicherlich tödlichem Schicksal überlassen habe.

Dieses weiße Maskengesicht ist eine absolut liebe, dankbare Hundeseele. Der Inbegriff von Zufriedenheit, geniessen können, jeden Tag als Geschenk annehmen.

Wie kommt er als Patenhund ins Tierheim Pfungstadt, sein Leben nahm eine entscheidende Wendung Anfang Dezember 2011. Meine Freundin Karin erzählt:

Ich hatte mich am Abend mit einer Bekannten in einer Pizzeria verabredet und da es noch etwas früh war und ich nicht alleine drinnen warten wollte, schlenderte ich auf dem Parkplatz umher. Während ich noch überlegte, warum in Griechenland  die Müllcontainerplätze immer so schmutzig sind und warum es sein muss, dass der Abfall aus den am Boden liegenden  kaputten Plastiksäcken quillt, bemerkte ich dort auf der anderen Straßenseite einen Hund, der nach Nahrung suchte. Beim Näherkommen fiel mir gleich auf, dass der arme Kerl schon ziemlich alte sein musste, denn er bewegte sich langsam und  unsicher. Als er mich gesehen hatte, drückte er seinen Kopf gegen meine Beine  und ich blickte in ein ergrautes Hundegesicht. Zuerst dachte ich noch, er wohne vielleicht nebenan, aber da waren nur Lagerhallen mit vermüllten Hinterhöfen. Ich beobachtete ihn eine Weile, aber er wich nicht mehr von meiner Seite. Er blieb wie angewurzelt neben mir stehen, immer in Körperkontakt zu meinen Beinen. Ich war ratlos und wusste nicht, was ich machen sollte, denn ich war ja in der gegenüberliegenden Pizzeria verabredet. So beschloss ich, wieder zu gehen und wollte schnell die stark befahrene Straße überqueren, als ich merkte, er folgte mir auf alten staksigen Beinen so schnell er konnte, aber viel zu langsam für den Straßenverkehr, der wirklich keine Rücksicht und schon gar nicht gegenüber Tieren hat. Er hätte keine Chance gehabt. So sprang ich die paar Meter wieder  zurück und schnappte ihn an seinem kaputten Halsband, an dem noch der Rest einer wohl durchtrennten Kette hing. Aha, dachte ich,  „alt und nicht mehr brauchbar, ja so entsorgt man hier seine alten Tiere“. Immer noch unschlüssig stand ich noch so eine Weile mit ihm beim Müllcontainer herum und fühlte, wie er wieder seine graue warme Schnauze an meine Beine drückte, als wollte er mir dadurch sagen, bitte bitte, lass mich nicht alleine hier zurück.  Naja - da habe ich es nicht mehr übers Herz gebracht, ihn zurückzulassen und so saß er dann letztendlich bei uns im Auto. Pizza stand an diesem Abend nicht mehr auf dem Speiseplan, sondern ein voll befüllter Fressnapf. Ihm bei seinem Abendessen zuzuschauen, wie er voll neu erwachter Lebensgeister seinen gefüllten Napf leer gefressen hat, war besser als jede Pizza. : - )))))

Karin rief mich ganz spontan an und fragte mich um Rat. Kurz und bündig: Er bekam spontan den Namen Geros (griech. alter Mann), Karin bat eine dort ansässige Tierschutzorganisation um Hilfe, Geros wurde - mit dem Versprechen, dass er wieder abgeholt wird- aufgenommen, geimpft, gechippt, Bluttest gemacht. Ende Januar löste Karin ihr Versprechen ein und holte den alten Mann in Griechenland ab, ich holte sie dann vom Flughafen in Frankfurt ab und wir fuhren in sein neues Zuhause. Da meine alte Pflegehündin Aischa Mitte Dezember friedlich eingeschlafen ist, vererbte sie ihren Platz an Geros.  Ich denke, er hätte ihr sehr gefallen.   

Geros wünscht sich Paten, die die Pflegestelle finanziell unterstützen. Er wird nun mit gutem Futter versorgt, bekommt Aufbaumittel für seine alten Knochen, aber sonst ist er gesund.

Gerne können Sie Geros auch besuchen, auch gerne mit ihm Gassi gehen, denn das liebt er doch sehr und er ist immer noch Meister im Schnüffeln und Grashalm markieren. Wenn Sie dazu Lust haben, dann sprechen Sie es mit mir ab.

Ihre Kirsten Wagner